Westfälisches Museum für religiöse Kultur (Religio)
„Religion ist Opium fürs Volk.“ Behauptet zumindest Karl Marx, der Erfinder des Kommunismus. „Wo Gott und die Welt sich treffen“ hält das Westfälisches Museum für religiöse Kultur (Religio) in Telgte dagegen.
Telgte ist ein idyllischer Ort in der Umgebung von Münster. In seiner malerischen Altstadt ist das Museum auf zwei Gebäude verteilt und in der Fußgängerzone untergebracht. Das Museum basiert auf einer Sammlung von Weihnachtskrippen, die 1934 erstmals ausgestellt wurde. Den Grundstock legte der 1934 als Münsterscher Stadtrat und Zentrumspolitiker von den Nationalsozialisten aus dem Amt gejagte Paul Engelmeier.
Vernachlässigen wir die jeweiligen Sonderausstellungen. Sie können vor Ort nachgefragt oder im Internetauftritt des Museums nachgeschlagen werden. Schauen wir uns die Dauerausstellung an, zuerst im Altbau, dann im Neubau.
Glaubenslandschaft Westfalen
Bis heute ist Westfalen überwiegend christlich geprägt, zumeist römisch-katholisch. Nach der Reformation sind einzelne Regionen mit mehrheitlich evangelischem oder katholischem Bekenntnis entstanden. Im Erdgeschoss des Altbaus lernen die Besucher die verschiedenen Formen religiöser Praxis kennen, beispielsweise die katholischen Osterbräuche im Sauerland, die Erweckungsbewegung in Minden oder die religiöse Vielfalt im Ruhrgebiet. Die wechselvolle Geschichte der westfälischen Juden beginnt im 11. Jahrhundert.
Das Telgter Hungertuch stammt aus dem Jahre 1623. Es gilt als besonderes Zeugnis aus der Zeit des Dreißigjährigen Krieges. Laut Museum gehört es zu den bedeutendsten Fastentüchern in Deutschland. 33 Bildfelder in Filetstopftechnik zeigen die Passionsgeschichte Jesu und weitere biblische Szenen.
Wallfahrt und Pilgern
Telgte ist nach Museumsangaben ein traditioneller Marienwallfahrtsort. Hier wird eine Pietà aus der Zeit um 1370 verehrt. Rund 100.000 Wallfahrer kommen jedes Jahr. Das Vesperbild ist auch das Ziel der Vertriebenen aus der Grafschaft Glatz in Schlesien, die Telgte schon im Jahre 1947 als neuen Wallfahrtsort ausgewählt haben.
Kardinal von Galen
1933 wurde Clemens August Graf von Galen zum Bischof von Münster geweiht. Überregionale Bekanntheit hat von Galen 1941 erlangt, als er drei Predigten hielt, in denen er öffentlich Kritik an der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik übte – Der Löwe von Münster war geboren.
Nun begeben wir uns in den Neubau.
Die Gegenwart ist von religiöser Vielfalt geprägt. Die großen Weltreligionen sind durch markante Objekte in der Mitte des Tisches vertreten.
Feste im Lebenslauf
In allen Religionen werden besondere Feste gefeiert. Die dazugehörigen Rituale markieren neue Lebensabschnitte – Taufe, Konfirmation, Firmung, Hochzeit und Bestattung seien als Beispiele genannt.
Auch der Jahresverlauf wird bis heute durch religiöse Feste strukturiert. Diese Feste stärken das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen. Das christliche Weihnachtsfest bildet einen Schwerpunkt der Ausstellung.
Das Museum ist barrierefrei – alle Etagen sind mittels Aufzug erreichbar.
Was ist aber von der Ausstellung zu halten?
Angesichts des kleinen Kinos und anderer einzelner Video-Stationen mag sie modern erscheinen – der Teufel steckt aber im Detail. Viele Ausstellungsstücke sind in Vitrinen untergebracht. Lesetexte an den Wänden fehlen genauso wie Hör-Museumsführer.
Extrem ausbaufähig ist der Museumsladen. Der Besucher bekommt hier zwar seine Eintrittskarte sowie ein Buch über das Hungertuch – das war’s aber auch schon. Hörbücher? Postkarten? Museumsführer? Allesamt Fehlanzeige.
Überregional lockt man so keine (nicht-katholischen) Besucher an.
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