Zurück zur Übersicht

Diskussion um die Pius-Bruderschaft

Diskussion um die Pius-Bruderschaft
Erstellt von:
Christian Taffertshofer
Veröffentlicht am:
06.07.2026

Bischof Schneider trägt auf gewohnte Weise mit präziser Begrifflichkeit zur Klärung bei. Den Kern der Sache sieht er in der Bedingung zur vollen Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl, die Texte des Vatikanum II, die Legitimität der Liturgiereform sowie bestimmte zweideutige oder der Offenbarung widersprechende Aussagen des nachkonziliaren päpstlichen Lehramts anzuerkennen. 

Ein Leserbrief zum Artikel „Diskussion um die Pius-Bruderschaft“ in „Der 13.“ vom Juni 2026

Univ.-Prof. Edward Schillebeeckx war ein belgischer Ordenspriester und Mitarbeiter am II. Vatikanischen Konzil. Er wurde für seinen Ausspruch bekannt: „Wir haben auf dem Konzil doppelsinnige Ausdrücke verwendet, und wir wissen, was wir nachher daraus machen werden“.
Bildautor: Von Grok in Farbe gebracht (de.wikipedia.org/wiki/Edward_Schillebeeckx#/media/Datei:Edward_Schillebeeckx.jpg)

Er verweist auf die häufig zweideutigen und mit der Tradition unvereinbaren Formulierungen der Konzilstexte sowie die rituellen und lehrmäßigen Mängel des Novus Ordo Missae hin. Mit dem Konzil hielt die „Strategie der kreativen Zweideutigkeit“ (Hans-Peter Raddatz) der „Neuen Theologie“ Einzug in das kirchliche Lehramt. „Wir haben auf dem Konzil doppelsinnige Ausdrücke verwendet, und wir wissen, was wir nachher daraus machen werden“ (Konzilsvater Edward Schillebeeckx). Die Abkehr von der traditionellen scholastischen Klarheit hatte zur Folge, dass aus dem Konzil ein neuerungsorientierter Geist interpretiert wurde. 

Statt der Freimaurerei wurde der traditionell gläubige Katholik zum Feindbild. Man fürchtete einen Rückfall hinter das Konzil. Folgerichtig fordert Bischof Schneider Rom auf, „die Existenz von korrekturbedürftigen lehrmäßigen Zweideutigkeiten anzuerkennen“ und dogmatisch unklare Lehren zu klären und, wo nötig, zu korrigieren, wie auch die FSSPX zur „Rückkehr zur absoluten Klarheit und Reinheit der Lehre“ aufruft. Zwar wiederholte Papst Paul VI. 1966 die Konzilserklärung von 1964 „Angesichts seines pastoralen Charakters vermied es das Konzil … Dogmen mit dem Anspruch der Unfehlbarkeit zu verkünden“. In einem Brief an Erzbischof Lefebvre von 1975 schrieb der Papst jedoch „… das Zweite Vatikanische Konzil …, das keine geringere Autorität hat, das unter gewissen Aspekten sogar bedeutender ist als das von Nicäa.“ Und Kardinal Ratzinger kritisierte 1988 in Chile, dass viele das Pastoralkonzil interpretieren, „als wäre es fast das Superdogma, das allen anderen die Bedeutung nimmt“. Dabei verteidigte er 1984 als Kardinal und auch später als Papst immer die Abläufe und Ergebnisse des Konzils und bescheinigte ihnen „Kontinuität“, um sie für Traditionalisten akzeptabel zu machen. Doch kommentiert Matthias Gaudron 2016 zu Recht: „Dies ist genau das unehrliche Spiel, das man mit dem II. Vatikanum gespielt hat. Während des Konzils betonte man seinen pastoralen Charakter, um sich nicht theologisch präzise ausdrücken zu müssen, und nach dem Konzil spielte man es so hoch, als wäre es das einzige Konzil in der Kirchengeschichte, dem wahre Bedeutung zukommt.“

In dieser Situation empfiehlt Schneider zur Vermeidung eines erneuten Schismas dringend, dass sich der Papst mit den bisherigen Erklärungen der Bruderschaft begnügt und deren für die seelsorgerische Betreuung notwendigen Bischofsweihen zustimmt, dass also der Weg von „Versöhnung und geduldigem Dialog“ beschritten wird. Zukünftige Generationen würden es ihm danken, wie Schneider sagt. Und dem Bischof ist für diese klaren Worte zu danken. Doch Papst Leo XIV. reagierte inzwischen streng kirchenrechtlich: Einen Tag nach der verbotenen Bischofsweihe der Priesterbruderschaft, als „schismatischem Akt“ im Ungehorsam gegen den Heiligen Vater, verfügte er die Exkommunikation ihres Klerus und der mit ihr formal verbundenen Gläubigen, zum Beispiel von Ordensfrauen. Auch ihre Spendung von Beichte und Mitwirkung bei Eheschließung wurde als ungültig erklärt.

Die FSSPX wurde 1970 von Erzbischof Lefebvre als Antwort auf die Konzilsergebnisse und die Liturgiereform gegründet. Sie sieht im Konziel ein falsches Verständnis von Religionsfreiheit, Ökumenismus und der Bewertung anderer Religionen und hält an der alten Messe fest. Eine lehrmäßige Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist darin wohl ohnehin nicht möglich. Durch eine großzügige Erlaubnis der Bischofsweihen hätte der Papst diese Spaltung vermeiden können. Doch dem Vatikan geht es letztlich darum, die Konzilskirche als die wahre katholische Kirche zu rechtfertigen.

Jetzt „Der 13.“ digital abonnieren!

Ein Abo erneuert sich automatisch.
Ein Abo kann jederzeit gekündigt werden.

Monatsabo digital
4,00 EUR pro Monat
  • Alle Artikel auf www.der13.com
  • Die aktuelle Druckausgabe als pdf-Datei
  • Alle pdf der Druckausgabe seit 2016
Jetzt abonnieren
Jahresabo digital
39,00 EUR pro Jahr
  • Alle Artikel auf www.der13.com
  • Die aktuelle Druckausgabe als pdf-Datei
  • Alle pdf der Druckausgabe seit 2016
Jetzt abonnieren
Jahresabo print
65,00 EUR pro Jahr
  • Die Druckausgabe monatlich (11 Mal im Jahr)
  • Die Bezahlung erfolgt über die Internetseite
Jetzt abonnieren
Jahresabo digital + print
100,00 EUR pro Jahr
  • Die Druckausgabe monatlich (11 Mal im Jahr)
  • Alle digitalen Artikel auf www.der13.com
  • Alle pdf der Druckausgabe seit 2016
Jetzt abonnieren

Weitere Artikel aus der Kategorie Leserbriefe lesen

Leserbriefe Eine Million Kinder beten den Rosenkranz
Christine Pies stellt die Gebetsaktion „Eine Million Kinder beten den Rosenkranz“ von KIRCHE IN NOT vor. Höhepunkt ist der 7. Oktober, das Rosenkranzfest.
Christine Pies |
Leserbriefe Red Wednesday für verfolgte Christen
Am 18. November 2026 werden Kirchen und Gebäude weltweit blutrot angestrahlt. Christine Pies erklärt den „Red Wednesday“ für verfolgte Christen.
Christine Pies |
Leserbriefe Verrat?
Christoph M. Arzberger zu der Meldung, Kardinal Nichols habe in England einer Messe zu Ehren eines homosexuellen Paares beigewohnt.
Christoph M. Arzberger |
Leserbriefe Pallium – die „Hülle“ der Päpste und Erzbischöfe
Christine Pies erklärt das Pallium: vom Wollband mit sechs schwarzen Kreuzen über die Lämmer der heiligen Agnes bis zur Auflegung durch Papst Leo XIV. am 29. Juni.
Christine Pies |
Leserbriefe „Der 13.“ – woher der Name kommt
Der Name „Der 13.“ erinnert an Fátima. Ulfried Ritter schildert das Sonnenwunder vom 13. Oktober 1917, das Zehntausende Menschen miterlebten.
Ulfried Ritter |
Leserbriefe Die leoninischen Gebete
Evi Schmid erinnert an die Vision Papst Leos XIII., an das Gebet zum heiligen Erzengel Michael und an die leoninischen Gebete, die wieder eingeführt werden sollten.
Evi Schmid |
Leserbriefe Hildegard von Bingen – aktueller denn je
Christine Pies erinnert an die heilige Hildegard von Bingen: Äbtissin, Heilkundige und Kirchenlehrerin, deren Lebensweisheiten heute aktueller sind denn je.
Christine Pies |
Leserbriefe Danke an Pfarrer Wagner
Sofie Christoph dankt Pfarrer Dr. Gerhard Maria Wagner für seine Worte über den Apostel Thomas, dessen Bekenntnis ihn als Missionar bis nach Indien führte.
Sofie Christoph |
Leserbriefe Zu Anneliese Michel
Martin Dissertori aus Eppan antwortet auf den Beitrag über Anneliese Michel: Statt sich in das Wirken der Dämonen hineinzusteigern, soll man auf den Heiligen Geist blicken.
Martin Dissertori |
Leserbriefe Starke Familien für ein starkes Land
Dr. Rudolf Gehring antwortet auf Kanzler Stockers Aussage zur Familienarbeit und fordert, dass Familienarbeit als vollwertiger Beruf anerkannt wird.
Dr. Rudolf Gehring |
Leserbriefe Keine „Taufe“ für Hunde
Dr. Rudolf Gehring kritisiert die „Hundetaufe“ mit Heiliger Messe im Militärhundezentrum Kaisersteinbruch. Ein Tier ist kein Ebenbild Gottes und darf nicht getauft werden.
Dr. Rudolf Gehring |
Leserbriefe Ist das christlich?

Passt es auch ins christliche Weltbild, wenn jemand mit 2,48 Promille Auto fährt und in diesem Zustand einen Menschen verletzen könnte? Wer nur gelegentlich Alkohol trinkt, würde wohl kaum mit einem so hohen Promillewert am Vormittag mit dem Auto durchs Burgenland fahren.

Doris Talafant |

Online Spenden

Wir sind von Ihren Spenden abhängig. Dafür können wir unabhängig berichten.