Diskussion um die Pius-Bruderschaft
Bischof Schneider trägt auf gewohnte Weise mit präziser Begrifflichkeit zur Klärung bei. Den Kern der Sache sieht er in der Bedingung zur vollen Gemeinschaft mit dem Heiligen Stuhl, die Texte des Vatikanum II, die Legitimität der Liturgiereform sowie bestimmte zweideutige oder der Offenbarung widersprechende Aussagen des nachkonziliaren päpstlichen Lehramts anzuerkennen.
Ein Leserbrief zum Artikel „Diskussion um die Pius-Bruderschaft“ in „Der 13.“ vom Juni 2026
Er verweist auf die häufig zweideutigen und mit der Tradition unvereinbaren Formulierungen der Konzilstexte sowie die rituellen und lehrmäßigen Mängel des Novus Ordo Missae hin. Mit dem Konzil hielt die „Strategie der kreativen Zweideutigkeit“ (Hans-Peter Raddatz) der „Neuen Theologie“ Einzug in das kirchliche Lehramt. „Wir haben auf dem Konzil doppelsinnige Ausdrücke verwendet, und wir wissen, was wir nachher daraus machen werden“ (Konzilsvater Edward Schillebeeckx). Die Abkehr von der traditionellen scholastischen Klarheit hatte zur Folge, dass aus dem Konzil ein neuerungsorientierter Geist interpretiert wurde.
Statt der Freimaurerei wurde der traditionell gläubige Katholik zum Feindbild. Man fürchtete einen Rückfall hinter das Konzil. Folgerichtig fordert Bischof Schneider Rom auf, „die Existenz von korrekturbedürftigen lehrmäßigen Zweideutigkeiten anzuerkennen“ und dogmatisch unklare Lehren zu klären und, wo nötig, zu korrigieren, wie auch die FSSPX zur „Rückkehr zur absoluten Klarheit und Reinheit der Lehre“ aufruft. Zwar wiederholte Papst Paul VI. 1966 die Konzilserklärung von 1964 „Angesichts seines pastoralen Charakters vermied es das Konzil … Dogmen mit dem Anspruch der Unfehlbarkeit zu verkünden“. In einem Brief an Erzbischof Lefebvre von 1975 schrieb der Papst jedoch „… das Zweite Vatikanische Konzil …, das keine geringere Autorität hat, das unter gewissen Aspekten sogar bedeutender ist als das von Nicäa.“ Und Kardinal Ratzinger kritisierte 1988 in Chile, dass viele das Pastoralkonzil interpretieren, „als wäre es fast das Superdogma, das allen anderen die Bedeutung nimmt“. Dabei verteidigte er 1984 als Kardinal und auch später als Papst immer die Abläufe und Ergebnisse des Konzils und bescheinigte ihnen „Kontinuität“, um sie für Traditionalisten akzeptabel zu machen. Doch kommentiert Matthias Gaudron 2016 zu Recht: „Dies ist genau das unehrliche Spiel, das man mit dem II. Vatikanum gespielt hat. Während des Konzils betonte man seinen pastoralen Charakter, um sich nicht theologisch präzise ausdrücken zu müssen, und nach dem Konzil spielte man es so hoch, als wäre es das einzige Konzil in der Kirchengeschichte, dem wahre Bedeutung zukommt.“
In dieser Situation empfiehlt Schneider zur Vermeidung eines erneuten Schismas dringend, dass sich der Papst mit den bisherigen Erklärungen der Bruderschaft begnügt und deren für die seelsorgerische Betreuung notwendigen Bischofsweihen zustimmt, dass also der Weg von „Versöhnung und geduldigem Dialog“ beschritten wird. Zukünftige Generationen würden es ihm danken, wie Schneider sagt. Und dem Bischof ist für diese klaren Worte zu danken. Doch Papst Leo XIV. reagierte inzwischen streng kirchenrechtlich: Einen Tag nach der verbotenen Bischofsweihe der Priesterbruderschaft, als „schismatischem Akt“ im Ungehorsam gegen den Heiligen Vater, verfügte er die Exkommunikation ihres Klerus und der mit ihr formal verbundenen Gläubigen, zum Beispiel von Ordensfrauen. Auch ihre Spendung von Beichte und Mitwirkung bei Eheschließung wurde als ungültig erklärt.
Die FSSPX wurde 1970 von Erzbischof Lefebvre als Antwort auf die Konzilsergebnisse und die Liturgiereform gegründet. Sie sieht im Konziel ein falsches Verständnis von Religionsfreiheit, Ökumenismus und der Bewertung anderer Religionen und hält an der alten Messe fest. Eine lehrmäßige Übereinkunft zwischen dem Heiligen Stuhl und der Priesterbruderschaft St. Pius X. ist darin wohl ohnehin nicht möglich. Durch eine großzügige Erlaubnis der Bischofsweihen hätte der Papst diese Spaltung vermeiden können. Doch dem Vatikan geht es letztlich darum, die Konzilskirche als die wahre katholische Kirche zu rechtfertigen.
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