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Falsche Abtreibungszahlen in Deutschland

Falsche Abtreibungszahlen in Deutschland
Erstellt von:
Felizitas Küble
Veröffentlicht am:
13.06.2024
Ein abgetriebenes Kind im Alter von zehn oder zwölf Wochen. Man kann das Gesicht erkennen, den zerstörten Rumpf, Arme und Beine, hier liegt ein zerfetzter, ermordeter Mensch.
Bildautor: Unbekannt

Auf Seite 15 der Mai-Ausgabe des „13.“ ist in einem Anti-Abtreibungs-Artikel von 100.000 Kindern die Rede, die in Deutschland jährlich vor ihrer Geburt getötet werden. Leider sieht die Wirklichkeit noch viel grausamer aus. Bei dieser Anzahl handelt es sich lediglich um unvollständige Daten des Statistischen Bundesamtes, die bedauerlicherweise auch von Lebensrechtsgruppen immer wieder zitiert und kommentiert werden, was aber meiner Meinung nach eine indirekte Bestätigung darstellt. 
Stattdessen sollte von unserer Seite gefordert werden, dass Vater Staat endlich mit den tatsächlichen Abtreibungs-Daten herausrückt, was ganz einfach wäre  – nämlich genau so, wie es vor der Wiedervereinigung Deutschlands gang und gäbe war: Es gelten nicht die Zahlen des Statistischen Bundesamtes, sondern die abgerechneten Abtreibungen der Krankenversicherungen.
In den 80er Jahren gab es allein in Westdeutschland pro Jahr rund 300.000 Abtreibungen, die durch die Krankenkassen bezahlt wurden. Gleichzeitig meldete damals das Statistische Bundesamt (ähnlich wie heute) meist zwischen 100.000 und 110.000 Abtreibungen. Der Widerspruch war und ist offensichtlich.
Selbst die Abtreibungsbefürworter im Bundestag (SPD, FDP, Grüne) gingen in ihren Reden meist sehr wohl von den realen Kassen-Daten aus, weil sie sich andernfalls lächerlich gemacht hätten. Das kann man den damaligen Bundestagsprotokollen entnehmen. 
Kein Ernstzunehmender orientierte sich in den 80er Jahren am Statistischen Bundesamt, zumal klar war, dass es sich dabei lediglich um die gesammelten Daten von Ambulanzen und Kliniken handelt, die in ihre Fragebögen im Grunde hineinschreiben können, was sie wollen und warum sollten sie sich ausgerechnet mit hohen Abtreibungszahlen „anrüchig“ machen? Die Daten können ohnehin nicht kontrolliert werden – und wer sollte dazu außerhalb jener Einrichtungen auch imstande sein?   
Diese Problematik interessierte damals aber nicht weiter, weil man in der öffentlichen Debatte ohnehin von den Krankenkassen-Daten ausging, die Hand und Fuß hatten, weil sie auf den real bezahlten Abtreibungen beruhten.
Wenngleich heute die meisten Abtreibungen (abgesehen von den vergleichsweise wenigen Indikations-Fällen) über eigens eingerichtete Fonds der Bundesländer finanziert werden, also ursprünglich nicht von der Krankenversicherung, so nehmen sie dennoch ihren bürokratischen Weg über die Kassen, so dass eine Datenerfassung auf diesem Wege sehr wohl möglich wäre – zudem aufgrund der Rechenschaftspflicht des Staates über seine Geldausgaben auch direkt über jene Länder-Fonds.
Das Problem ist doch: Je weniger Abtreibungszahlen in Deutschland gemeldet werden, desto geringer erscheint das Problem, desto weniger notwendig ist eine öffentliche Debatte über diese Massenvernichtung ungeborener Kinder, umso weniger Aufmerksamkeit erfahren die Lebensrechtsgruppen für ihre Arbeit, so dass sie sich mit ihren kuriosen Kommentaren über die haltlosen Daten des Statistischen Bundesamtes auch noch ins eigene Fleisch schneiden.
Dazu kommt als politisch entscheidender Faktor: Das Bundesverfassungsgericht hat den Staat verpflichtet darauf zu achten, ob das derzeitige liberale Abtreibungsgesetz (wonach die Abtreibung in den ersten drei Monaten zwar rechtswidrig, aber zugleich straffrei ist), den „Schutz des ungeborenen Lebens“ gewährleistet oder nicht. Das heißt: wenn die Anzahl steigt, wäre der Gesetzgeber aufgefordert, den § 218 stärker im Sinne des Lebensschutzes zu gestalten.
Diesem Auftrag geht man natürlich am leichtesten aus dem Wege, wenn man die Zahlen immer schön niedrig hält. 
Laut einer Meldung der evangelischen Nachrichtenagentur IDEA vom 5. Februar 2017 hat ausgerechnet der österreichische Abtreibungsmediziner Christian Fiala erklärt, die Abtreibungsanzahl in Deutschland seien „zwei bis dreimal so hoch“ wie die Daten des Statistischen Bundesamtes. 
In Wirklichkeit liegen sie noch höher, denn es wurden schon vor der Wiedervereinigung in Westdeutschland jährlich rund 300.000 Abtreibungen gemeldet, man muss also heute von einer deutlich gestiegenen Anzahl ausgehen. 
Im IDEA-Bericht wird zur bisherigen „Statistik“ ebenfalls klargestellt: „Die Zahlen beruhen allein auf den Angaben der Kliniken und Arztpraxen. Sie werden anonym übermittelt und sind nicht zurückzuverfolgen. So kann laut Fiala niemand kontrollieren, ob die Angaben vollständig sind. Abtreibungen korrekt zu melden, bedeute „zusätzliche Bürokratie“ und damit noch weniger Zeit für die Patientinnen. Außerdem hielten viele Ärzte die Statistik für sinnlos. Da schöben selbst gewissenhafte Mediziner die Meldung hinaus oder vergessen sie ganz“ (Quelle: https://www.idea.de/spektrum/abtreibungszahl-in-deutschland-zwei-bis-dreimal-hoeher-als-gemeldet).
Daher ist es überfällig, dass Lebensrechtsvereine vom Staat die ungeschönten, tatsächlichen Abtreibungszahlen fordern, wie es das gute Recht nicht nur dieser Gruppen ist, sondern aller Bürger, die einen Anspruch darauf haben, bei diesem buchstäblich lebenswichtigen Thema nicht hinters Daten-Licht geführt zu werden. 

Felizitas Küble
 

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