Bericht eines Zeitzeugen
Ich war im Sommer 1967 als junger Kaplan in Münster (Deutschland,Westfalen) zum Weiterstudium und wohnte in einem Schwesternhaus. Dort wohnte auch der Finanz-Prälat der Deutschen Bischofskonferenz Johannes Geertz. Ich wurde sein Adlatus und unterstützte ihn bei seinen Tätigkeiten. Ich war bei Gesprächen zwischen ihm und dem Bischof von Münster Joseph Höffner dabei. Da erzählten die beiden Prälaten, der Papst Paul VI. plane eine Bischofs-Synode in Rom, auf der er über den Pflichtzölibat der Priester abstimmen lassen wolle, das müsse verhindert werden. Die Deutsche Bischofskonferenz und die Bischofskonferenz der USA werden den Bischöfen in Latein-Amerika und in Afrika die Kürzungen oder die Streichungen der finanziellen Hilfen androhen, falls diese für die Freigabe des Zölibats stimmten. So kam es auch 1971, Joseph Höffner war Erzbischof von Köln und Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz geworden. Bei der Abstimmung im September 1971 stimmten 53 Prozent der Bischöfe weltweit für die Beibehaltung des Pflichtzölibats. Der Bischof von Graz-Seckau Johann Weber sagte mir später, die Bischöfe in Rom hätten „gemunkelt“, dass es hier nicht mit rechten Dingen zugegangen sei. Aber sie mussten nachher sagen, das sei eine Entscheidung des Heiligen Geistes gewesen.
Ich habe 1969 geheiratet.
Univ.-Doz. Dr. theol. Anton Grabner-Haider
A- 8010 Graz
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