Zum ganzseitigen Appell des Bundespräsidenten Van der Bellen in der Kronenzeitung
Sehr geehrte Kronenzeitung,
am heutigen Nationalfeiertag ist in einem von mir käuflich erworbenen Kronenzeitungsexemplar auf Seite 18 ein im Inseratenstil gehaltener ganzseitiger Appell des Bundespräsidenten Van der Bellen zu lesen (und dazu in Farbe sein Konterfei zu sehen), demzufolge „wir alle“ „nicht resignieren“ und „gemeinsamen an der Zukunft Österreichs arbeiten“ sollen. Außerdem „beglückt“ mich das Staatsoberhaupt mit unverlangten, bei mir freilich eher kontraproduktive Übelkeit auslösenden „besten Wünschen für den heutigen Feiertag“.
Angesichts des seit Jahren höchst hinterfragenswerten, um nicht zu sagen skandalösen Verhaltens eines längst politisch untragbar gewordenen Staatsoberhauptes, das alles andere als „mein Präsident“ ist, finde ich angesichts der österreichischen Gesamtlage sowohl die „Appelle“ als auch die „Wünsche“ per se eine Unverschämtheit, die überdies folgende Fragen aufwerfen:
1. Wurde die Veröffentlichung von der Krone-Redaktion oder vom Krone-Herausgeber verfasst und gestaltet (unzulässige Verwendung des offiziellen Staatswappens und der offiziellen rotweißroten Österreich-Flagge?), oder wurden Inhalt und Gestaltung anderweitig vorgegeben – wenn ja: Von wem?
2. Wurde die Veröffentlichung unentgeltlich vorgenommen oder entgeltlich gebucht? Die kryptische Paginierung „Nationalfeiertag“ lässt den Verdacht einer bewussten Verschleierung der vorgeschriebenen Entgeltlichkeitskennzeichnung aufkommen, wie sie (leider auch in der Kronenzeitung) immer wieder zu beobachten ist. Falls es sich um eine entgeltliche Einschaltung handelt, ersuche ich um Auskunft darüber, wer als Auftraggeber fungiert. Und zwar um eine möglichst präzise Auskunft, die keinen Zweifel darüber offen lässt, ob es sich um einen privaten Auftrag des Bundespräsidenten handelt (und die 46.500,28 EUR - laut Tarif Textteil Top So/Fe - somit von ihm persönlich zu finanzieren wären), oder ob der Veröffentlichungsauftrag von einer anderen Stelle erfolgte, die direkt oder indirekt letztlich auf eine Steuerzahler-Finanzierung schließen lässt. Am transparentesten wäre freilich die Beifügung einer Rechnungskopie in Ihrer Antwort, der ich - zeitnahe - mit Interesse entgegensehe.
Hochachtungsvoll
Bernd Stracke
bernd.stracke [at] gmx.at
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