Der KI-Pfarrer und der Zauberlehrling
Zum Interview mit Dompfarrer Toni Faber über KI-Trauerreden (Kleine Zeitung, 21.10.2026):
Gut, dass es ein Interview ist. So hat man die „Ipsissima vox“ des Ausnahme-Seelsorgers, seine ureigene Stimme. So nennen die Bibelwissenschaftler jene Worte, die Jesus selbst gesprochen hat, nicht erst von anderen nacherzählt. Hier redet Faber selbst. Keiner kann sagen, die Zeitung habe ihn falsch verstanden.
Und was sagt er? Ein Grazer Start-up namens „Lebensstimmen“ verkauft Trauerreden aus dem Computer. Eine künstliche Intelligenz ahmt die Stimme eines bekannten Sprechers nach. Einer davon ist Faber. Man bestellt zu Lebzeiten seine Grabrede „vom Dompfarrer“, zwischen 99 und 590 Euro. Abgespielt wird sie dann am Grab, vielleicht in zehn oder zwanzig Jahren. Faber muss nicht dabei sein. Er muss den Verstorbenen nicht gekannt haben. Er muss nicht einmal mehr leben. Mitverdienen tut der frühere Formel-1-Mann Helmut Marko, mit 24 Prozent. Faber meint, er könne damit „jetzt vielen helfen“.
Ein christliches Begräbnis ist aber kein Produkt aus dem Katalog. Es ist das Gebet der Kirche für einen bestimmten Menschen und sein ewiges Heil. Das kann keine Maschine, auch nicht mit der schönsten Prominentenstimme.
Er genehmigt sich selbst die Ausnahme von der Regel. Lustig, wie er von der Scheinheiligkeit spricht, die ihm fremd sei, weil er menschlich ist. „Menschlich“ ist ein dehnbarer Begriff wie vieles in seinem Leben. Der Erzbischof wird seinem Zauberlehrling nicht Herr. Wann spricht er endlich: „In die Ecke, Besen!“? Für weitere Unterhaltung ist gesorgt.
Pfarrer i. R. Herbert Stichaller, Velden