Ein Mord und die Bestattungskosten
In den späten Abendstunden des 8. September erfasste das Messergrauen nun auch den Freiburger Westen. Ein 30-jähriger, der bereits innenstadtnah einen vereitelten Messerangriff getätigt hatte und leider fliehen konnte, stach auf einen Flaschensammler hinter dem ökumenischen Zentrum der Maria-Magdalena-Kirche bei den Glasmüllcontainern so oft ein, bis er starb. Wie mir später von einer Freundin erzählt wurde, hatte ihr der Sohn einer Bekannten auf dem Handy das blutüberströmte Opfer gezeigt. Denn er war einer jener couragierten Jugendlichen gewesen, die davon mitbekommen hatten und daraufhin den Täter verfolgten. Warum es trotzdem noch 3-4 Stunden gedauert hat, bis die sofort verständigte Polizei den Täter fasste, weiß ich nicht. Diese Details habe ich nach und nach per Zufall erfahren.
Ich schäme mich meiner ersten Reaktion: „Nun hat es also auch meinen Wohnort getroffen.“ Erst durch ein Video des AfD-Stadtrates wachgerüttelt suchte ich den Tatort auf, stellte eine Kerze und Blumen hin und betete am Tatort. Höchstens zwei Wochen später musste ich feststellen, dass der Tatort bereits wieder geräumt war - vordergründig wahrscheinlich wegen der Marktanhänger, die dort mittwochs und samstags ihren Stellplatz hatten - doch wahrscheinlich ganz im Sinne der herrschenden politischen Agenda, um den Fall baldmöglichst unsichtbar zu machen, das Vergessen zu beschleunigen. Ansonsten hätte man nämlich auch einen der angrenzenden CarSharing-Parkplätze vorübergehend für die Marktanhänger frei machen können. Meine Meinung ist, dass der Tatort wenigstens für einen Monat Trauer hätte freigegeben werden sollen. Stattdessen mussten die Angehörigen und Stadtteiltrauernden jetzt die Blumen angrenzend auf eine deutlich kleinere Fläche hinter eine Hecke legen. Und dort war zwischenzeitlich ein Schild angebracht worden mit QR-Code. Sie sammelten Geld für die Bestattungskosten, die die Angehörigen aufbringen müssen. Ich glaubte, ich lese nicht recht: wie bitte? Ich hab mich ein zweites Mal geschämt, doch diesmal nicht wegen eigener Unterlassungssünden, sondern wegen fremder struktureller Unterlassungssünden, bodenloser Ungerechtigkeit. Da trauern die Angehörigen eines unschuldigen Opfers eines Messermordes und müssen nun auch noch die Bestattungskosten bezahlen! Mein Vorschlag an die Freiburger Stadtverwaltung: entnehmt das Geld bitte der Stadtkasse, zu deklarieren als Sonderposten („Einzelfälle“) und sobald der mutmaßliche Täter verurteilt ist, holt euch das Geld unverzüglich vom Täter und dessen Angehörigen zurück!
Das Opfer war ein 73-jähriger russland-deutscher Rentner, der seine karge Rente mittels Flaschensammeln aufstockte. Herr, gib ihm die ewige Ruhe und das ewige Licht leuchte ihm. Herr, lass ihn ruhen in Frieden. Amen.