Pallium – die „Hülle“ der Päpste und Erzbischöfe
Ein Pallium ist ein weißes, mit schwarzen oder roten Kreuzen versehenes, ringförmiges Wollband mit zwei länglichen Streifen, das um die Schultern auf das Messgewand gelegt wird und von dem ein Streifen über die Brust, der andere über den Rücken herabfällt. Die Enden der beiden Streifen sind mit in schwarze Seide eingenähten Bleiplättchen beschwert. An den Kreuzen befinden sich Schlaufen, durch die kostbare Nadeln gezogen werden können. Nur Päpste und Erzbischöfe tragen dieses Wollband, das ursprünglich ein mantelähnliches Obergewand der hohen römischen Beamten war.
Ein Teil der Wolle für die Pallien kommt von zwei Lämmern, die am 21. Januar, dem Gedenktag der heiligen Agnes, in der Kirche in Rom gesegnet werden, in der sich auch das Grab der heiligen Agnes befindet. Schon am Vortag der Segnung werden die beiden Lämmer von den Mönchen der Trappistenabtei Tre Fontane, wo sie aufgezogen wurden, zum Kloster der Schwestern der Heiligen Familie von Nazareth auf dem Esquilin gebracht. Danach werden die Tiere gewaschen und dürfen sich ausruhen.
Am frühen Morgen des nächsten Tages schmücken die Schwestern die Tiere mit einem Umhang und Rosen. Bei dem einen Lamm ist er rot, zum Gedenken an das Martyrium der heiligen Agnes, beim anderen weiß, zum Gedenken an ihre Jungfräulichkeit. Ein Wagen bringt die beiden Lämmer in Körben zur Basilika Sant’Agnese fuori le mura an der Via Nomentana, wo sie auf dem Altar gesegnet werden.
Im Kloster Santa Cecilia in Trastevere werden die beiden Tiere in der Karwoche geschoren. Am Gründonnerstag wird die Wolle im Petersdom auf dem Grab des Apostels Petrus gesegnet, anschließend werden daraus Pallien gewebt. Die Wollbänder werden mit sechs schwarzen Kreuzen bestickt, die an die Wunden Christi erinnern. Durch die Schlaufen können drei kostbare goldene Nadeln, die Acicula, gezogen werden, die die drei Nägel der Kreuzigung symbolisieren.
Papst Leo XIV. selbst trägt das päpstliche Pallium seit dem 18. Mai 2025. Am Vorabend des Festes der Apostel Petrus und Paulus, am 28. Juni jeden Jahres, werden die neuen Pallien in den Petersdom gebracht und in einem goldenen Behältnis über dem Petrusgrab beim Hauptaltar abgelegt, wodurch sie zu Berührungsreliquien werden. Am 29. Juni, dem Festtag von Petrus und Paulus, segnet Papst Leo XIV. die Pallien und legt sie jenen neuen Erzbischöfen an, die Vorsteher einer Kirchenprovinz sind.
Das Pallium erinnert an die Lämmer, die der auferstandene Herr dem Petrus zu weiden aufgetragen hat, und es ist ein Bild für das verlorene Schaf, das der gute Hirte auf Seine Schultern legt und zu Seiner Herde zurückbringt.
Christine Pies
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