Gerührt von einem Video, aber ist es echt?
Vor ein paar Tagen bekam ich ein kurzes Video geschickt, das mich seither nicht loslässt. Eine Überwachungskamera filmt nachts im strömenden Regen einen gepflasterten Hof. Durch das offene Tor kommt eine Hirschkuh mit ihrem Kitz herein. Die Mutter legt sich hin, das Kleine bleibt dicht neben ihr stehen. Und genau dort, wo die beiden Schutz suchen, leuchtet in einer Wandnische eine Statue des Herrn selbst.
Ich muss gestehen: Das Video hat mich gerührt. Zwei Tiere, nass und müde, finden in der Nacht ausgerechnet unter dieser Statue Ruhe. Mir kam der Gedanke, dass die Geschöpfe manchmal besser wissen als wir, wo man Zuflucht findet.
Quelle: @realishai
Und doch frage ich mich, ob ich dem trauen darf, was ich da sehe. Ist das Video echt, oder hat es ein Computer erzeugt? Eingeblendet ist der 10. März 2026, ein Montag, doch der 10. März 2026 war ein Dienstag. Ein geflecktes Kitz im März wäre sehr ungewöhnlich, denn Kitze kommen meist im Mai und Juni zur Welt. Ein Ort ist nicht angegeben. Und das Konto, über das das Video verbreitet wird, nennt sich „Realish AI“ und veröffentlicht Inhalte, die mit künstlicher Intelligenz erstellt wurden.
Vieles spricht also dafür, dass ich von einem künstlichen Bild gerührt wurde. Beweisen kann ich es nicht. Aber es beschäftigt mich: Wie sollen wir künftig noch unterscheiden, was wirklich geschehen ist und was nur so aussieht? Und was sagt es über uns, dass uns auch ein erfundenes Bild so tief berühren kann?
Vielleicht liegt die Antwort darin, dass die Sehnsucht echt ist, auch wenn das Bild nicht echt ist: die Sehnsucht nach einem Ort, an dem man sich in der Nacht niederlegen darf, weil man sich unter dem Blick Gottes geborgen weiß.