Begegnungen, die im Herzen bleiben
Ein Mensch, der krank ist, merkt schnell, wer an ihn denkt. Deshalb haben wir uns an einem Herbsttag gemeinsam auf den Weg gemacht, um Karl Obleitner zu besuchen. Der betagte Künstler hat mit seinen Werken über Jahrzehnte das Schicksal Südtirols wachgehalten. Nun war es an uns, ihm Zeit zu schenken, zuzuhören, ihm die Hand zu drücken und ihm zu zeigen, dass er nicht vergessen ist.
Nach dem Abschied von diesem großen Südtiroler Künstler führte uns der Weg zum Gedenkort des Andreas-Hofer-Bundes für Tirol am Tummelplatz in Innsbruck-Amras. Auf diesem alten Soldatenfriedhof ruhen Tausende Soldaten aus den Kriegen von 1797 bis 1866, rund 1200 Kreuze und Tafeln erinnern an die Kriegstoten bis 1945. Der Andreas-Hofer-Bund hat hier 2016 die Gedenktafel für Franz Innerhofer originalgetreu wiedererrichtet. Der Lehrer aus Marling wurde am 24. April 1921, dem „Bozner Blutsonntag“, als erstes ziviles Tiroler Opfer des italienischen Faschismus erschossen. Die ursprüngliche Tafel am Innsbrucker Rennweg hatten die Nationalsozialisten nach 1938 entfernt. Nebenan erinnern ein Besinnungskreuz und ein Gedenkstein an die Südtiroler Freiheitskämpfer, die in den 1960er-Jahren in italienischen Gefängnissen gefoltert wurden. Dort standen wir still und gedachten derer, die für ihre Heimat gelitten haben.
Wer gerade einen kranken Freund besucht hat, steht anders vor solchen Kreuzen. Man spürt, dass Erinnern und Dasein zusammengehören: für die Lebenden, die uns brauchen, und für die Toten, die nicht vergessen werden dürfen.
Nach diesem langen Fußmarsch kehrten wir im Bierstindl ein. Bei gutem Essen, Bier und geselligem Beisammensein klang der Tag in herzlicher und vertrauter Runde aus, getragen von Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit und für die Menschen, die uns auf unserem Weg begleiten.